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Themenfeld 5 von 6

Leben in sozialen Beziehungen

Von Jonas Jahrke · Stand: 5. September 2026

Ein Satz, mehr steht hier oft nicht. Seit der neuen QPR ist das riskant: In diesem Themenfeld steht, ob jemand über den Tag kommt und ob die Menschen, die ihn tragen, selbst noch tragfähig sind.

Leitfrage (sinngemäß)

Inwieweit ist die pflegebedürftige Person in der Lage, ihren Alltag zu gestalten und soziale Kontakte zu pflegen?

Formulierungsbeispiele für Themenfeld 5 der SIS beschreiben den Tagesablauf, die Kontakte, Interessen und Rituale der Person, ihre Stimmung – und die Belastung der pflegenden Angehörigen. „Wird von der Tochter versorgt" sagt nichts darüber, wie lange das noch trägt.

Was in dieses Themenfeld gehört

Was regelmäßig vergessen wird

Die Belastung der Angehörigen

Mit der neuen QPR ambulante Pflege seit dem 1. Juli 2026 wird ausdrücklich geprüft, ob der Pflegedienst eine drohende Überforderung pflegender An- und Zugehöriger im Blick hat und anspricht. Der Gedanke dahinter: Wenn die Angehörige zusammenbricht, endet die häusliche Versorgung – und genau das soll verhindert werden. Wer in diesem Themenfeld nichts über die Angehörigen stehen hat, hat eine Prüflücke.

Die Biografie

Beruf, Familie, Herkunft, prägende Ereignisse. Nicht als Selbstzweck, sondern weil sich daraus erklärt, warum jemand nachts wach ist, keine Fremden ins Schlafzimmer lässt oder auf pünktliche Mahlzeiten besteht.

Was Freude macht

Eine SIS, in der kein einziges Mal vorkommt, worauf sich die Person freut, ist eine Mängelliste. Aus dieser Information entstehen die Maßnahmen, die tatsächlich wirken.

Einsamkeit beim Namen nennen

Kontaktarmut ist keine Charaktereigenschaft, sondern ein Risiko – für Antrieb, Ernährung, Stimmung und Verwirrtheitszustände.

Formulierungsbeispiele

Tagesstruktur und Kontakte

Zu dünnWird von Tochter versorgt, wenig soziale Kontakte. TragfähigFrau W. steht gegen 7 Uhr auf und verbringt den Tag überwiegend im Wohnzimmersessel am Fenster. Sie hört gern Radio und verfolgt Nachrichten; Lesen ist wegen der Sehkraft nicht mehr möglich, Hörbücher kennt sie nicht. Ihre Tochter kommt täglich nach der Arbeit, übernimmt Einkauf, Wäsche und Abendessen. Weitere Kontakte bestehen nicht; die frühere Nachbarin ist verstorben. Frau W. äußert, die Nachmittage seien lang, sie wolle aber „der Tochter nicht zur Last fallen".

Belastung der pflegenden Angehörigen

Zu dünnAngehörige kümmern sich. TragfähigDie Tochter von Frau W. ist berufstätig in Vollzeit und übernimmt täglich rund zwei Stunden Versorgung sowie die gesamte Organisation von Terminen und Anträgen. Sie berichtet von Schlafproblemen und davon, dass sie seit über einem Jahr keinen Urlaub genommen habe. Auf Nachfrage äußert sie, sie halte das „schon noch aus". Entlastungsangebote sind ihr nicht bekannt; über den Entlastungsbetrag und Verhinderungspflege wurde bisher nicht gesprochen.

Rückzug und Stimmung

Zu dünnZieht sich zurück, wirkt depressiv. TragfähigHerr N. beteiligt sich seit etwa zwei Monaten kaum noch an Gesprächen, antwortet einsilbig und hat die täglichen Kreuzworträtsel, die er zuvor regelmäßig löste, eingestellt. Der Fernseher läuft, er schaut nach eigener Aussage aber nicht hin. Auf die Frage, worauf er sich freue, antwortet er, es gebe nichts mehr. Die Veränderung fällt zeitlich mit dem Tod seines Bruders im Juni zusammen. Eine ärztliche Abklärung ist bislang nicht erfolgt.

Schlaf-Wach-Rhythmus und Biografie

Zu dünnIst nachts oft wach. TragfähigHerr A. war über vierzig Jahre Bäcker und steht bis heute gegen halb vier auf; er kocht sich dann Kaffee und hört Radio in der Küche. Gegen Mittag schläft er ein bis zwei Stunden, abends ist er ab 20 Uhr im Bett. Dieser Rhythmus ist stabil und belastet ihn nach eigener Aussage nicht – belastend seien die Kommentare, er solle „doch mal normal schlafen". Die frühen Morgenstunden beschreibt er als die beste Zeit seines Tages.

Glaube und Gemeinde

Zu dünnIst gläubig, kommt nicht mehr zur Kirche. TragfähigFrau G. hat bis vor einem Jahr jeden Sonntag den Gottesdienst ihrer Gemeinde besucht; seit sie auf den Rollstuhl angewiesen ist, gelingt der Weg nicht mehr. Sie verfolgt sonntags die Fernsehübertragung, beschreibt das aber als „nicht dasselbe" – ihr fehlten die Menschen und das gemeinsame Kaffeetrinken danach. Vom Besuchsdienst und dem Fahrdienst ihrer Gemeinde weiß sie nichts. Das Abendgebet ist ihr wichtig; sie möchte dafür abends ungestört sein.

Interessen und Teilhabe

Zu dünnFrüher aktiv, jetzt nicht mehr. TragfähigHerr P. hat jahrzehntelang jeden Donnerstag in der Gaststätte am Markt Skat gespielt; seit dem Krankenhausaufenthalt im Frühjahr traut er sich den Weg nicht mehr zu und hat der Skatrunde abgesagt. Zwei Mitspieler haben mehrfach angerufen und angeboten, ihn abzuholen – er hat abgelehnt, „weil die mich nicht schleppen sollen". Auf das Thema angesprochen wird er lebhaft und erzählt ausführlich von der Runde. Er äußert, das sei „das Einzige, was mir wirklich fehlt".

Vom Themenfeld in den Maßnahmenplan

Wie der Weg von der SIS zur Planung grundsätzlich funktioniert, zeigt der Ratgeber zum Maßnahmenplan.

Aus der Beschreibung zu Frau W. und ihrer Tochter folgt zum Beispiel:

Der letzte Punkt ist der, nach dem im Fachgespräch seit der neuen QPR gefragt wird.

Verbindung zur Risikomatrix

Dieses Themenfeld hat kein eigenes Feld, wirkt aber auf Ernährung (wer allein isst, isst weniger) und indirekt auf alle übrigen. Auffälligkeiten in Stimmung und Antrieb gehören außerdem in die ärztliche Abklärung – hier reicht die pflegerische Beobachtung, die Diagnose ist nicht Ihre Aufgabe.

Wie die Matrix insgesamt funktioniert, zeigt der Ratgeber zur Risikomatrix in der SIS.

Häufige Fragen zu Themenfeld 5

Was gehört in Themenfeld 5 der SIS?

Tagesstruktur und Schlaf-Wach-Rhythmus, Beschäftigung und Interessen, Kontakte zu Angehörigen, Nachbarn und Besuchsdiensten, Teilhabe außerhalb der Wohnung, Rückzug und Einsamkeit, Rituale und Glaube – und die Situation der pflegenden Angehörigen mit ihrer Belastung und ihrem Entlastungsbedarf.

Wie formuliert man Themenfeld 5 tragfähig?

Mit der Biografie als Erklärung, nicht als Selbstzweck: Der frühere Bäcker, der um halb vier aufsteht, hat keine Schlafstörung. Es steht dabei, worauf sich die Person freut und was ihr fehlt – daraus entstehen die Maßnahmen, die wirken. Und die Angehörigen werden mit ihrer Belastung konkret beschrieben, nicht nur als „kümmern sich".

Warum gehören die Angehörigen in Themenfeld 5?

Weil die neue QPR ambulante Pflege seit dem 1. Juli 2026 ausdrücklich prüft, ob der Pflegedienst eine drohende Überforderung pflegender An- und Zugehöriger im Blick hat und anspricht. Bricht die Angehörige zusammen, endet die häusliche Versorgung. Wer hier nichts über die Angehörigen stehen hat, hat eine Prüflücke.

SIS und Maßnahmenplan in einem Durchgang

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Wie Tagesgestaltung und Kontakte individuell statt floskelhaft beschrieben werden: Kriterien für SIS-Software.

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Quellen: EinSTEP – Schulungsunterlagen zum Strukturmodell · Medizinischer Dienst Bund – Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells (PDF)

Die Formulierungsbeispiele auf dieser Seite sind Anregungen für die eigene Formulierung. Alle Namen und Angaben sind frei erfunden. Sie ersetzen keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall: Was in der SIS steht, verantwortet die Pflegefachkraft des Pflegedienstes. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr.