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Themenfeld 4 von 6

Selbstversorgung

Von Jonas Jahrke · Stand: 5. September 2026

Drei Zeilen für das Feld, das den größten Teil der täglichen Arbeit abbildet? So sieht es in vielen SIS aus. Dabei entscheidet sich hier, ob der Maßnahmenplan zu dieser Person gehört oder zu irgendeiner.

Leitfrage (sinngemäß)

Inwieweit ist die pflegebedürftige Person in der Lage, sich selbst zu versorgen?

Formulierungsbeispiele für Themenfeld 4 der SIS beschreiben, was die Person bei Körperpflege, Kleiden, Essen, Trinken und Ausscheidung selbst übernimmt und wo sie Unterstützung braucht – mit Gewohnheiten, Reihenfolge und Trinkmenge. „Übernahme der Körperpflege" ist fast nie die ganze Wahrheit.

Was in dieses Themenfeld gehört

Was regelmäßig vergessen wird

Die Trinkmenge

Sie wird häufiger vergessen als jede andere Angabe in der SIS und ist zugleich einer der häufigsten Gründe für Verschlechterungen, Stürze und Verwirrtheit. Wie viel trinkt die Person tatsächlich, was trinkt sie gern, wann steht etwas bereit?

Gewohnheiten und Reihenfolge

Ob jemand sich abends statt morgens wäscht, zuerst das Gesicht oder zuerst die Füße, mit Waschlappen oder unter der Dusche – das klingt nach Nebensache und ist der Kern von Individualität. Daran erkennt eine Prüferin, ob die Person gefragt wurde.

Zahnprothese

Wird sie getragen, passt sie, wer reinigt sie? Eine schlecht sitzende Prothese erklärt eine Gewichtsabnahme oft besser als jede Diagnose.

Scham und Intimsphäre

Wer bei der Intimpflege nur Frauen zulässt, wer die Tür geschlossen haben will, wem die Situation unangenehm ist: Das gehört dokumentiert, weil es die Versorgung steuert.

Die Ressourcen, wirklich

„Übernahme der Körperpflege" ist fast nie die Wahrheit. Meistens wäscht die Person das Gesicht selbst, hält den Waschlappen, cremt die Arme ein. Genau das gehört hin – auch weil es der Person ihre Würde lässt und weil aktivierende Pflege sonst nicht planbar ist.

Formulierungsbeispiele

Körperpflege

Zu dünnKlientin braucht Hilfe bei der Körperpflege. TragfähigFrau H. wäscht Gesicht, Hals und Arme am Waschbecken sitzend selbstständig, wenn Waschlappen und Handtuch bereitgelegt sind. Rücken, Beine und Intimbereich übernimmt der Dienst. Sie wünscht für die Intimpflege ausdrücklich Mitarbeiterinnen und möchte dabei die Badezimmertür geschlossen haben. Duschen lehnt sie seit einem Schwindelanfall im Bad ab; eine Ganzkörperwaschung am Waschbecken bevorzugt sie mittwochs und samstags. Haut trocken, besonders an den Unterschenkeln; Eincremen übernimmt sie selbst, wenn die Tube geöffnet bereitsteht.

Essen, Trinken und Gewichtsabnahme

Zu dünnIsst und trinkt wenig, Gewichtsabnahme. TragfähigHerr G. hat in drei Monaten nach eigener Angabe etwa vier Kilogramm abgenommen, aktuelles Gewicht 61 kg bei 1,74 m. Er isst morgens ein halbes Brötchen, mittags einen Anteil des gelieferten Essens, abends meist nichts. Er gibt an, dass ihm das Kauen seit einigen Wochen Mühe macht; die Oberkieferprothese sitzt sichtbar locker. Getrunken wird fast ausschließlich Kaffee, geschätzt 500 bis 700 ml täglich; Wasser steht auf der Fensterbank außerhalb seiner Reichweite. Er äußert, er habe „einfach keinen Hunger mehr".

Ausscheidung und Kontinenz

Zu dünnInkontinent, trägt Vorlagen. TragfähigFrau P. verspürt Harndrang, erreicht die Toilette tagsüber jedoch nicht immer rechtzeitig, weil der Weg über den Flur mit Rollator etwa zwei Minuten dauert. Tagsüber trägt sie eine Vorlage, die sie selbstständig wechselt; nachts nutzt sie einen Toilettenstuhl neben dem Bett. Stuhlgang alle zwei bis drei Tage, ohne Hilfsmittel. Sie schämt sich für die Situation und spricht sie von sich aus nicht an; sie hat ihre Trinkmenge deshalb eigenständig reduziert.

An- und Auskleiden

Zu dünnBraucht Hilfe beim Anziehen. TragfähigHerr S. wählt seine Kleidung selbst aus und legt sie abends für den nächsten Tag zurecht – das ist ihm wichtig. Oberteile zieht er selbstständig an, wenn sie vorn zu schließen sind; Knöpfe und Reißverschlüsse gelingen wegen des Zitterns der rechten Hand nicht mehr, er trägt deshalb bevorzugt Hemden mit Druckknöpfen. Beim Anziehen von Hose, Strümpfen und Schuhen benötigt er Unterstützung, da er sich nicht sicher bücken kann. Das Tempo bestimmt er; unter Zeitdruck misslingen auch Handgriffe, die er sonst beherrscht.

Schlucken

Zu dünnVerschluckt sich manchmal beim Trinken. TragfähigFrau T. hustet mehrmals täglich beim Trinken dünnflüssiger Getränke, vor allem, wenn sie hastig trinkt oder dabei spricht. Bei angedickten Getränken und beim Trinken mit Strohhalm tritt das Husten nach Beobachtung des Teams nicht auf; breiige Kost isst sie ohne Auffälligkeiten. Nach dem Mittagessen klingt ihre Stimme gelegentlich belegt. Eine logopädische Abklärung des Schluckens ist über die Hausärztin angeregt; das Ergebnis steht aus. Frau T. selbst empfindet das Andicken als „Bevormundung" und lässt es nur bei der Mitarbeiterin zu, der sie vertraut.

Essen mit Besteck

Zu dünnIsst nicht mehr richtig mit Besteck. TragfähigFrau I. beginnt die Mahlzeit mit Besteck, legt es nach wenigen Bissen ab und isst mit den Fingern weiter. Wird ihr der gefüllte Löffel in die Hand gegeben, führt sie ihn sicher zum Mund und isst mehrere Bissen selbstständig weiter. Mundgerecht geschnittene Kost isst sie vollständig allein und ohne Zeitdruck auf. Beim gemeinsamen Essen mit ihrer Schwester isst sie erkennbar mehr als allein. Sie wirkt beschämt, wenn ihre Essweise angesprochen wird – Hinweise darauf unterbleiben deshalb.

Vom Themenfeld in den Maßnahmenplan

Wie der Weg von der SIS zur Planung grundsätzlich funktioniert, zeigt der Ratgeber zum Maßnahmenplan.

Aus der Beschreibung zu Herrn G. folgt zum Beispiel:

Verbindung zur Risikomatrix

Drei der fünf Bereiche hängen unmittelbar hier: Ernährung über Essmenge, Trinkmenge und Gewichtsverlauf, Inkontinenz über Ausscheidung und Toilettengang, Dekubitus über Hautzustand und Bewegungsverhalten. Wer dieses Themenfeld knapp hält, kann die Matrix eigentlich nicht begründen.

Wie die Matrix insgesamt funktioniert, zeigt der Ratgeber zur Risikomatrix in der SIS.

Häufige Fragen zu Themenfeld 4

Was gehört in Themenfeld 4 der SIS?

Körperpflege mit Hautzustand, Vorlieben und Gewohnheiten; Mund- und Zahnpflege einschließlich Prothese; An- und Auskleiden; Essen und Trinken mit Appetit, Kostform, Schluckvorgang und Trinkmenge; Ausscheidung mit Kontinenz und Hilfsmitteln – und jeweils, was die Person vollständig, teilweise oder nach Anleitung selbst übernimmt.

Wie formuliert man Themenfeld 4 tragfähig?

Mit dem, was die Person tatsächlich selbst macht: „wäscht Gesicht, Hals und Arme am Waschbecken selbstständig, wenn Waschlappen und Handtuch bereitliegen" statt „braucht Hilfe bei der Körperpflege". Dazu Gewohnheiten und Reihenfolge, Scham und Intimsphäre und die tatsächliche Trinkmenge mit dem, was die Person gern trinkt.

Was wird in Themenfeld 4 am häufigsten vergessen?

Die Trinkmenge – häufiger als jede andere Angabe in der SIS und zugleich einer der häufigsten Gründe für Stürze und Verwirrtheit; die Zahnprothese, die eine Gewichtsabnahme oft besser erklärt als jede Diagnose; und die Ressourcen, ohne die aktivierende Pflege nicht planbar ist.

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Wie eine Software bei Körperpflege, Ernährung und Ausscheidung beim Formulieren unterstützt: Kriterien für SIS-Software.

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Quellen: EinSTEP – Schulungsunterlagen zum Strukturmodell · Medizinischer Dienst Bund – Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells (PDF)

Die Formulierungsbeispiele auf dieser Seite sind Anregungen für die eigene Formulierung. Alle Namen und Angaben sind frei erfunden. Sie ersetzen keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall: Was in der SIS steht, verantwortet die Pflegefachkraft des Pflegedienstes. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr.