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Themenfeld 6 von 6

Haushaltsführung

Von Jonas Jahrke · Stand: 5. September 2026

Dieses Themenfeld gibt es nur in der ambulanten SIS; stationär heißt es „Wohnen und Häuslichkeit". Der Grund ist praktisch: In der eigenen Wohnung entscheidet die Haushaltsführung darüber, ob die Versorgung zu Hause trägt.

Leitfrage (sinngemäß)

Inwieweit kann die pflegebedürftige Person die eigene Haushaltsführung bewältigen?

Formulierungsbeispiele für Themenfeld 6 der SIS beschreiben, wer Einkauf, Mahlzeiten, Reinigung, Wäsche und Behördenpost tatsächlich erledigt, was die Person davon selbst weiterführt und wo die Wohnung zum Risiko wird. „Haushalt wird von der Familie übernommen" verschweigt, von wem, wie oft und wie lange noch.

Was in dieses Themenfeld gehört

Was regelmäßig vergessen wird

Wer es tatsächlich macht

„Haushalt wird von Angehörigen erledigt" verschweigt das Wesentliche: von wem, wie oft, wie lange noch. Fällt diese Person aus, bricht die häusliche Versorgung zusammen – und das ist eine Information, die in die Planung gehört.

Die Wohnung als Risikofaktor

Türschwellen, lose Teppiche, fehlendes Licht, ein Bad im Halbgeschoss, gestapelte Kartons im Flur. In der ambulanten Pflege ist die Umgebung nicht Kulisse, sondern Teil des pflegerischen Befundes. Diese Beobachtungen gehören hierher – und in Themenfeld 2, wenn sie das Sturzrisiko betreffen.

Der Herd

Bei nachlassender Kognition ist der Herd das konkreteste Sicherheitsthema in der Wohnung. Angebrannte Töpfe, vergessene Herdplatten, ein Wasserkocher ohne Abschaltung – wer das beobachtet, muss es dokumentieren und ansprechen.

Überforderung sichtbar machen, ohne zu urteilen

Zunehmende Unordnung, ungeöffnete Post, verdorbene Lebensmittel im Kühlschrank sind Befunde, keine Charakterfragen. Sie beschreiben, nicht bewerten – und sie sind oft die frühesten sichtbaren Zeichen einer Verschlechterung.

Was die Person selbst weiterführt

Wer die Wäsche noch zusammenlegt oder den Einkaufszettel schreibt, tut etwas für sich. Das gehört erhalten und deshalb dokumentiert.

Formulierungsbeispiele

Wer den Haushalt tatsächlich führt

Zu dünnHaushalt wird von der Familie übernommen. TragfähigFrau E. bereitet sich morgens selbstständig Kaffee und ein Brot; sie schreibt den Einkaufszettel eigenhändig. Den Einkauf erledigt ihr Sohn samstags für die ganze Woche, er wohnt 40 Kilometer entfernt. Warme Mahlzeiten kommen werktags über einen Lieferdienst. Wäsche wäscht der Sohn ebenfalls, das Zusammenlegen übernimmt Frau E. im Sitzen. Die Wohnung wird alle zwei Wochen von einer Haushaltshilfe gereinigt; zwischendurch fallen zunehmend Krümel und Flecken in der Küche auf. Rechnungen legt Frau E. ungeöffnet auf die Kommode; eine Vorsorgevollmacht besteht zugunsten des Sohnes.

Die Wohnung als Risikofaktor

Zu dünnWohnung ist unordentlich. TragfähigIm Flur stehen seit mehreren Wochen drei Umzugskartons, die den Weg zur Toilette auf etwa 60 Zentimeter verengen. Der Läufer im Flur liegt lose auf Fliesen und ist an einer Ecke aufgerollt. Die Deckenleuchte im Flur ist defekt, Herr Z. hat die Glühbirne nicht gewechselt, weil er nicht mehr auf die Leiter steigt. Im Kühlschrank fanden sich bei zwei aufeinanderfolgenden Einsätzen abgelaufene Milchprodukte. Herr Z. äußert, es sei ihm alles zu viel geworden, seit seine Frau im März verstorben ist.

Herd und Sicherheit

Zu dünnKocht nicht mehr sicher. TragfähigFrau O. bereitet sich weiterhin gern selbst Mahlzeiten zu und beschreibt das Kochen als wichtigen Teil ihres Tages. Bei drei Einsätzen in den letzten zwei Wochen war die Herdplatte nach dem Kochen noch eingeschaltet, zweimal war ein Topf angebrannt. Sie erinnert sich an die Vorgänge nicht. Ein Wasserkocher mit automatischer Abschaltung ist vorhanden und wird sicher bedient. Die Tochter wurde informiert; über eine Herdabschaltautomatik wurde noch nicht gesprochen.

Einkauf

Zu dünnKann nicht mehr einkaufen. TragfähigFrau N. erledigt kleine Einkäufe beim Bäcker an der Ecke weiterhin selbst und beschreibt den täglichen Gang als festen Bestandteil ihres Tages. Den Wocheneinkauf schafft sie nicht mehr: Getränkekisten und schwere Tüten kann sie am Rollator nicht transportieren, der Supermarkt liegt zwanzig Gehminuten entfernt. Bisher hat die Nachbarin mit eingekauft; diese zieht Ende des Monats weg, ein Ersatz ist nicht geregelt. Einen Lieferdienst des Supermarkts kennt Frau N. nicht, sie steht dem „Bestellen am Telefon" aber offen gegenüber.

Wäsche

Zu dünnWäsche ist ein Problem. TragfähigDie Waschmaschine von Herrn R. steht im Keller, zwölf Stufen ohne beidseitigen Handlauf – diesen Weg geht er seit dem Sturz seiner Frau nicht mehr. Gewaschen wird derzeit unregelmäßig, wenn der Enkel am Wochenende kommt; beim letzten Besuch lag getragene Wäsche von etwa zwei Wochen im Bad. Das Zusammenlegen und Einräumen übernimmt Herr R. vollständig selbst, ebenso das Wechseln der Handtücher. Das Bettwäschebeziehen gelingt ihm einarmig nicht mehr; die Bettwäsche war bei zwei Besuchen in Folge unverändert.

Heizen und Behördenpost

Zu dünnWohnung ist im Winter kalt. TragfähigFrau Y. heizt ausschließlich das Wohnzimmer; Schlafzimmer und Bad bleiben nach ihrer Aussage „aus Sparsamkeit" kalt, beim Morgeneinsatz wurden dort 14 Grad gemessen. Sie wäscht sich deshalb im Winter nur „das Nötigste" und schläft in Strickjacke unter zwei Decken. Die Thermostatventile erreicht sie hinter den Möbeln nicht ohne Bücken. Auf die Heizkosten angesprochen zeigt sie einen Stapel ungeöffneter Briefe des Energieversorgers; ob ein Guthaben oder eine Nachforderung besteht, weiß sie nicht. Eine Vollmacht für solche Angelegenheiten besteht nicht.

Vom Themenfeld in den Maßnahmenplan

Wie der Weg von der SIS zur Planung grundsätzlich funktioniert, zeigt der Ratgeber zum Maßnahmenplan.

Aus der Beschreibung zu Herrn Z. folgt zum Beispiel:

Der vorletzte Punkt zeigt, wie eng dieses Themenfeld mit Themenfeld 5 verzahnt ist: Der unaufgeräumte Flur und der Tod der Ehefrau sind derselbe Vorgang.

Verbindung zur Risikomatrix

Der stärkste Bezug besteht zu Sturz: Die meisten Sturzursachen in der ambulanten Pflege stehen nicht im Menschen, sondern in der Wohnung. Über Vorräte, Kühlschrankinhalt und Zubereitung wirkt dieses Themenfeld außerdem auf Ernährung.

Wie die Matrix insgesamt funktioniert, zeigt der Ratgeber zur Risikomatrix in der SIS.

Häufige Fragen zu Themenfeld 6

Was gehört in Themenfeld 6 der SIS?

Einkauf des täglichen Bedarfs, Zubereitung der Mahlzeiten mit dem Umgang mit Herd und Kühlschrank, Reinigung und Aufräumen, Wäschepflege, finanzielle und behördliche Angelegenheiten mit Vollmachten sowie die Wohnsituation mit Zugang, Barrieren, Beleuchtung, Heizung und Sicherheit.

Wie formuliert man Themenfeld 6 tragfähig?

Beschreiben statt bewerten: Die drei Kartons im Flur, die den Weg auf 60 Zentimeter verengen, sind ein Befund, „Wohnung ist unordentlich" ein Urteil. Zu jeder Aufgabe steht, wer sie übernimmt, wie oft und wie lange das noch trägt – und was die Person selbst weiterführt, vom Einkaufszettel bis zum Zusammenlegen der Wäsche.

Was wird in Themenfeld 6 am häufigsten vergessen?

Von wem der Haushalt tatsächlich getragen wird und was passiert, wenn diese Person ausfällt; der Herd als konkretestes Sicherheitsthema bei nachlassender Kognition; und die frühen Zeichen einer Verschlechterung – ungeöffnete Post, verdorbene Lebensmittel, zunehmende Unordnung.

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Quellen: EinSTEP – Schulungsunterlagen zum Strukturmodell · Medizinischer Dienst Bund – Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells (PDF)

Die Formulierungsbeispiele auf dieser Seite sind Anregungen für die eigene Formulierung. Alle Namen und Angaben sind frei erfunden. Sie ersetzen keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall: Was in der SIS steht, verantwortet die Pflegefachkraft des Pflegedienstes. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr.