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Ratgeber Pflegedokumentation

Maßnahmenplan ambulant: von der SIS zur Planung

Von Jonas Jahrke · Stand: 22. August 2026

Die SIS ist geschrieben – und jetzt? Der Maßnahmenplan ist der Schritt, an dem aus Beobachtung Versorgung wird. Er ist auch der Schritt, der im Alltag die meiste Zeit kostet und in Prüfungen am genauesten auf Konsistenz abgeklopft wird.

Wozu der Maßnahmenplan da ist

Im Strukturmodell folgt auf die Strukturierte Informationssammlung der Maßnahmenplan als zweites von vier Elementen. Er beschreibt das übliche Vorgehen: wer macht was, wie, wie oft – einschließlich dessen, was die pflegebedürftige Person und ihre Angehörigen selbst übernehmen. Erst diese Präzision macht das dritte Element möglich: Das Berichteblatt dokumentiert nur noch Abweichungen vom Plan, nicht den Normalverlauf. Ein schwammiger Plan zwingt zurück in die tägliche Prosadokumentation, die das Strukturmodell gerade abschaffen wollte.

Die eine Regel, an der alles hängt

Jede Maßnahme lässt sich auf eine Aussage in der SIS zurückführen – und jede relevante SIS-Aussage hat eine Konsequenz im Plan oder bewusst keine. Diese doppelte Rückverfolgbarkeit ist es, was Prüfungen unter der neuen QPR ambulant 2026 als Konsistenz abfragen: Risikomatrix, Themenfelder und Maßnahmen müssen ein zusammenhängendes Bild ergeben.

Was ein guter Maßnahmenplan enthält

Vom Themenfeld zur Maßnahme: ein durchgängiges Beispiel

In der SIS von Frau S. steht (Themenfeld Mobilität): Sie geht nachts ohne Rollator zur Toilette, der Flur ist unbeleuchtet, ein loser Läufer liegt auf Fliesen, letzter Sturz vor vier Wochen. In der Risikomatrix ist Sturz mit „ja" angekreuzt. Daraus wird im Maßnahmenplan:

Jede Maßnahme zeigt auf eine Aussage in der SIS – die doppelte Rückverfolgbarkeit, die Prüfungen abfragen.
Aussage in der SISMaßnahme im Plan
Geht nachts ohne Rollator zur ToiletteRollator steht nachts griffbereit an der Bettseite; Frühdienst stellt ihn beim letzten Einsatz dorthin und prüft die Bremsen
Flur unbeleuchtet, loser Läufer auf FliesenGespräch mit Frau S. und Tochter zu Läufer und Nachtlicht – Einverständnis abwarten, Ergebnis vermerken
Letzter Sturz vor vier Wochen, erst auf Nachfrage erwähntBei jedem Einsatz kurze Nachfrage nach Stürzen oder Beinahe-Stürzen; Auffälligkeiten ins Berichteblatt
Geht tagsüber selbstständig mit RollatorBewusst keine Begleitung – Ressource erhalten, als fachliche Entscheidung dokumentiert

Jede der vier Maßnahmen zeigt auf einen Satz in der SIS. Die vierte ist die am häufigsten vergessene Sorte: die bewusste Entscheidung, etwas nicht zu übernehmen – dokumentiert, damit sie im Fachgespräch als fachliche Entscheidung erkennbar ist und nicht als Lücke.

Die drei häufigsten Schwächen

1. Maßnahmen ohne Herkunft

Im Plan steht eine Dekubitusprophylaxe, in der SIS kein Wort zu Hautzustand oder Bewegungseinschränkung. Solche Maßnahmen wirken wie aus der Vorlage kopiert – und so werden sie auch gelesen.

2. Leistungskatalog statt Planung

Wenn der Maßnahmenplan nur die vereinbarten Leistungskomplexe wiederholt, fehlt das Individuelle: das Wie, die Vorlieben, die Ressourcen. Die Vergütungsvereinbarung beschreibt, was bezahlt wird – der Maßnahmenplan, wie diese Person versorgt wird.

3. Keine Evaluationstermine

Das vierte Element des Strukturmodells braucht Anlässe: ein Datum oder ein Ereignis („nach jedem Sturz", „bei Veränderung der Medikation"), an dem der Plan überprüft wird. Fehlt beides, veraltet der Plan unbemerkt – und der Widerspruch zwischen Plan und Realität fällt erst in der Prüfung auf. Wie Evaluationsanlässe sinnvoll gesetzt werden, zeigt der Ratgeber zur Evaluation.

Häufige Fragen

Was ist der Maßnahmenplan im Strukturmodell?

Das zweite Element: die Übersetzung der SIS in konkrete, individuell vereinbarte Maßnahmen samt Aufgabenteilung.

Muss der Normalverlauf täglich dokumentiert werden?

Nein – das Berichteblatt hält nur Abweichungen fest. Das funktioniert aber nur, wenn der Plan das Übliche präzise beschreibt.

Wie detailliert muss es sein?

So konkret, dass eine neue Kollegin allein damit richtig handeln könnte – und so knapp, dass es im Alltag gelesen wird.

Der Schritt, der sonst die meiste Zeit frisst

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Quellen: EinSTEP – Schulungsunterlagen zum Strukturmodell · Medizinischer Dienst Bund – Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells (PDF)

Das Beispiel auf dieser Seite ist frei erfunden und dient der Anschauung. Es ersetzt keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall: Inhalt und Freigabe des Maßnahmenplans verantwortet die Pflegefachkraft des Pflegedienstes. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr.