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Ratgeber Pflegedokumentation

Die Risikomatrix in der SIS: Aufbau, Ausfüllen, häufige Fehler

Von Jonas Jahrke · Stand: 19. August 2026

Die Risikomatrix ist das Feld C2 der Strukturierten Informationssammlung – die erste fachliche Einschätzung der für Pflege und Betreuung relevanten Risiken und Phänomene. Sie ist bewusst schlank: keine Punktwerte, keine Skalen, sondern die begründete Ja-Nein-Entscheidung der Pflegefachkraft. Dieser Artikel erklärt, wie die Matrix aufgebaut ist, wie Sie sie Schritt für Schritt ausfüllen – und welche Fehler in Prüfungen am häufigsten auffallen.

So ist die Risikomatrix aufgebaut

Die Matrix erfasst fünf pflegesensitive Risiken: Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerz und Ernährung. Dazu kommt ein Feld „Sonstiges“ für weitere Risiken und Phänomene im Einzelfall – etwa Atmung oder soziale Isolation. Für jedes Risiko gibt es drei Entscheidungen: die Einschätzung selbst (ja/nein), die Frage, ob eine weitere Einschätzung notwendig ist (ja/nein), und ein Feld, in dem eine erfolgte Beratung vermerkt werden kann.

Die Zeilen der Matrix sind die Kontextkategorien – die Themenfelder 1 bis 5 der SIS. So wird sichtbar, aus welchem Themenfeld sich ein Risiko ergibt. Das sechste Themenfeld (Haushaltsführung) fließt bewusst nicht in die Matrix ein: Sie erfasst nur personenbezogene Risiken. Wer nicht mehr einkaufen kann, hat das zugrunde liegende Problem in der Mobilität oder Kognition – und genau dort wird es erfasst.

Schritt für Schritt: So füllen Sie die Matrix aus

1. Erst die Themenfelder, dann die Matrix. Die Einschätzung ergibt sich aus den Erkenntnissen der Situationseinschätzung in den Themenfeldern – nicht umgekehrt. Alle Informationen, die eine Bewertung begründen, müssen dort dokumentiert sein.

2. Je Risiko: ja oder nein. Die Pflegefachkraft trifft die fachliche Einschätzung zu den individuellen Risiken – als Ja-Nein-Entscheidung, ohne Skala.

3. Bei „Ja“: weitere Einschätzung notwendig? Jetzt folgt die zweite Entscheidung: Braucht es aus fachlicher Sicht ein Differentialassessment oder eine weitere Expertenmeinung? Auch das ist eine Ja-Nein-Entscheidung – ein standardisiertes Instrument ist nicht automatisch Pflicht.

4. Beratung vermerken. Ist zu einem Risiko eine Beratung erfolgt, wird sie im entsprechenden Feld erfasst.

5. Gegencheck. Zum Schluss prüfen: Sind alle Entscheidungen in der Matrix durch Informationen in den Themenfeldern gestützt? Ein „Ja“ bei Sturz ohne ein Wort zur Mobilität im Themenfeld 2 hält keiner Prüfung stand.

Risikomatrix und Expertenstandards

Die Matrix übernimmt die Funktion der initialen Einschätzung, wie sie die Expertenstandards des DNQP fordern. Ein weit verbreitetes Missverständnis: dass auf jede fachliche Einschätzung zwingend ein standardisiertes Instrument folgen muss. Tatsächlich dienen die Hinweise auf Assessmentinstrumente in den Expertenstandards der Orientierung – zum Einsatz kommen sie, wenn die Pflegefachkraft sich dafür entscheidet. Welche Instrumente im Bedarfsfall genutzt werden, legt das Qualitätsmanagement im QM-Handbuch fest.

Von der Matrix zum Maßnahmenplan

Ein „Ja“ in der Matrix hat Folgen: Die erforderlichen individuellen Maßnahmen müssen im Maßnahmenplan nachvollziehbar beschrieben sein. Die alleinige Nennung der Prophylaxe – etwa „Sturzprophylaxe“ – reicht nicht aus. Die prophylaktischen Maßnahmen müssen aber nicht zwingend einzeln aufgeführt werden; sie können Bestandteil übergeordneter Maßnahmenbeschreibungen sein, zum Beispiel in der Morgenpflege.

Ein Sonderfall bleibt das Dekubitusrisiko: Hier müssen ein maximales bewegungsfreies Intervall, die Lagerungsarten und mögliche Hilfsmittel hinterlegt sein – und die konkrete Durchführung der Positionswechsel ist mit Zeitangabe nachzuweisen, etwa in einem Bewegungsplan.

Die häufigsten Fehler

Matrix zuerst ausfüllen. Wer die Kästchen ankreuzt, bevor die Themenfelder geschrieben sind, produziert Einschätzungen ohne Beleg – der klassische Widerspruch im Prüfgespräch.

Schematische Prophylaxen ohne Risiko. „Fenster öffnen als Pneumonieprophylaxe“ oder „Abtrocknen als Intertrigoprophylaxe“ im Maßnahmenplan, obwohl in der SIS gar kein erhöhtes Risiko beschrieben ist – unnötige Doku ohne fachliche Grundlage.

Reflexhaftes „weitere Einschätzung: ja“. Wer bei jedem Ja automatisch ein Assessment ankreuzt, schafft sich selbst Bürokratie. Die Entscheidung ist eine fachliche – und darf auch Nein lauten.

Widerspruch nicht dokumentiert. Schätzt die pflegebedürftige Person ein angesprochenes Risiko anders ein oder lehnt Vorschläge zur Risikobegrenzung ab, ist das zu vermerken.

Häufige Fragen

Welche Risiken enthält die Risikomatrix der SIS?

Fünf pflegesensitive Risiken: Dekubitus, Sturz, Inkontinenz, Schmerz und Ernährung – plus ein Feld „Sonstiges“ für weitere Risiken im Einzelfall.

Warum ist das Themenfeld 6 nicht in der Risikomatrix?

Die Matrix erfasst nur personenbezogene Risiken. Probleme in der Haushaltsführung sind eine Folge personenbezogener Beeinträchtigungen, die bereits in den Themenfeldern 1 bis 5 erfasst werden.

Muss bei jedem „Ja“ ein Assessment folgen?

Nein. Die Pflegefachkraft entscheidet fachlich, ob eine weitergehende Einschätzung notwendig ist. Welche Instrumente bei Bedarf zum Einsatz kommen, regelt das Qualitätsmanagement.

Vertiefung

Risiken erfasst – Maßnahmen begründet

Dokuna verknüpft die Erkenntnisse aus den Themenfeldern mit der Maßnahmenplanung – damit jedes „Ja“ in der Matrix nachvollziehbar in einer Maßnahme landet. 100 % offline, die Fachkraft prüft und gibt frei.

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Quellen: EinSTEP – SIS-Erläuterungen ambulant V3.0 (PDF) · EinSTEP – Häufige Fragen · EinSTEP – Handreichung zum Maßnahmenplan (2024, PDF) · Medizinischer Dienst Bund – Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells (PDF)

Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr. Sie ersetzen keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall und keine Vorgaben Ihres Qualitätsmanagements.