Themenfeld 3 von 6
Krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen
Von Jonas Jahrke · Stand: 5. September 2026
Viele SIS zählen hier nur Diagnosen auf. Eine Diagnoseliste ist aber keine pflegerische Einschätzung. Interessant wird es erst bei der Frage, was die Erkrankung im Alltag dieser Person verlangt und wie sie damit zurechtkommt.
Wohin die Diagnosen stattdessen gehören, sagen die EinSTEP-Schulungsunterlagen ausdrücklich: „Eine ausführliche Erfassung und Dokumentation von Diagnosen, ärztlichen Therapien oder Medikamenten erfolgt in separaten Dokumenten bzw. befindet sich auf dem Stammblatt.“ Eine knappe Nennung als Kontext ist im Themenfeld also richtig – die vollständige Aufstellung gehört ins Stammblatt Ihres Dokumentationssystems. Für Hilfsmittel gilt dasselbe: Das Inventar steht im Stammblatt, hier steht, was die Person damit kann und was nicht.
Inwieweit ist die pflegebedürftige Person in der Lage, mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen umzugehen?
Formulierungsbeispiele für Themenfeld 3 der SIS beschreiben, wie die Person mit Medikamenten, Behandlungen, Terminen und Symptomen wie Schmerz oder Atemnot zurechtkommt – und wer davon was übernimmt. Eine Diagnoseliste ersetzt diese Beschreibung nicht.
Was in dieses Themenfeld gehört
- Medikation – Richten, Einnehmen, Verstehen des Zwecks, Verlässlichkeit
- Pflegerische und ärztliche Maßnahmen – Injektionen, Verbandwechsel, Wundversorgung, Stoma, Katheter, Absaugen, Sauerstoff, Blutzuckermessung
- Termine und Wege – Arztbesuche, Therapien, Fahrten, wer organisiert das
- Symptome und Belastungen – Schmerz, Atemnot, Übelkeit, Juckreiz, Schwindel, Schlafstörungen
- Umgang mit der Erkrankung – Wissen, Akzeptanz, Sorgen, Verhalten in Krisen
Was regelmäßig vergessen wird
Schmerz systematisch
„Hat Schmerzen" reicht nicht. Wo, wann, wie stark, wodurch besser, wodurch schlimmer, was nimmt die Person dagegen und hilft es? Und bei eingeschränkter Kommunikation: Woran erkennt das Team, dass Schmerz besteht? Diese Frage wird fast immer übersprungen und fast immer im Fachgespräch gestellt.
Warum Medikamente nicht genommen werden
Wenn die Einnahme unzuverlässig ist, ist der Grund die eigentliche Information: vergessen, Schluckbeschwerden, Nebenwirkungen, Ablehnung, zu viele Tabletten, unleserlicher Plan. Aus jedem Grund folgt eine andere Maßnahme.
Wer was übernimmt
In der ambulanten Pflege teilen sich Person, Angehörige, Pflegedienst und Arztpraxis die Aufgaben. Wenn nicht steht, wer was macht, entstehen genau dort Lücken, wo alle den anderen zuständig glauben – beim Rezept, beim Blutzuckerprotokoll, bei der Wundkontrolle am Wochenende.
Verhalten im Notfall
Was tut die Person bei Unterzucker, bei Atemnot, bei einem Sturz? Weiß sie, wen sie ruft, und kann sie das Telefon erreichen?
Formulierungsbeispiele
Medikamenteneinnahme
Schmerz
Schmerz bei Demenz
Insulin und Blutzucker
Kompressionsstrümpfe
Atemnot bei COPD
Vom Themenfeld in den Maßnahmenplan
Wie der Weg von der SIS zur Planung grundsätzlich funktioniert, zeigt der Ratgeber zum Maßnahmenplan.
Aus der Beschreibung zu Herrn D. folgt zum Beispiel:
- Abenddosis separat neben den Fernsehsessel stellen, nicht in die Küche
- Beim Spätkontakt kurze Rückfrage zur Abendgabe, Abweichungen ins Berichteblatt
- Zweck der wichtigsten Medikamente in einfachen Worten erklären und schriftlich hinterlassen
- Blutzuckerheft bleibt in seiner Verantwortung – Ressource ausdrücklich erhalten
Die letzte Zeile ist die wichtigste: Eine Maßnahme kann auch lauten, etwas bewusst nicht zu übernehmen.
Verbindung zur Risikomatrix
Der Bereich Schmerz hat hier seinen Ort. Wer Schmerz in der Matrix ankreuzt, sollte in diesem Themenfeld beschrieben haben, worum es geht und wie er erkannt wird. Über Ernährungszustand, Wundsituation und Ausscheidung wirkt dieses Themenfeld außerdem in Dekubitus, Ernährung und Inkontinenz hinein.
Wie die Matrix insgesamt funktioniert, zeigt der Ratgeber zur Risikomatrix in der SIS.
Häufige Fragen zu Themenfeld 3
Was gehört in Themenfeld 3 der SIS?
Medikation mit Richten, Einnehmen, Verstehen des Zwecks und Verlässlichkeit; pflegerische und ärztliche Maßnahmen wie Injektionen, Verbandwechsel, Stoma oder Sauerstoff; Termine und Wege; Symptome und Belastungen wie Schmerz, Atemnot oder Schlafstörungen; und der Umgang mit der Erkrankung einschließlich des Verhaltens im Notfall.
Wie formuliert man Themenfeld 3 tragfähig?
Schmerz systematisch: wo, wann, wie stark, was bessert, was verschlechtert, was nimmt die Person dagegen. Bei unzuverlässiger Medikamenteneinnahme steht der Grund im Satz – vergessen, Schluckbeschwerden, Ablehnung –, denn aus jedem Grund folgt eine andere Maßnahme. Und es steht dabei, wer was übernimmt: Person, Angehörige, Pflegedienst oder Arztpraxis.
Was wird in Themenfeld 3 am häufigsten vergessen?
Woran das Team Schmerz erkennt, wenn die Person ihn nicht mehr benennen kann; warum Medikamente nicht genommen werden; wer Rezept, Blutzuckerprotokoll oder Wundkontrolle am Wochenende verantwortet; und was die Person im Notfall tut und wen sie erreichen kann.
SIS und Maßnahmenplan in einem Durchgang
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Dokuna ansehenWie krankheitsbezogene Anforderungen nachvollziehbar in Maßnahmen münden: Kriterien für SIS-Software.
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Quellen: EinSTEP – Schulungsunterlagen zum Strukturmodell · Medizinischer Dienst Bund – Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells (PDF)
Die Formulierungsbeispiele auf dieser Seite sind Anregungen für die eigene Formulierung. Alle Namen und Angaben sind frei erfunden. Sie ersetzen keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall: Was in der SIS steht, verantwortet die Pflegefachkraft des Pflegedienstes. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr.