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Themenfeld 2 von 6

Mobilität und Beweglichkeit

Von Jonas Jahrke · Stand: 5. September 2026

In kaum einem Themenfeld gehen „kann" und „tut" so weit auseinander. Jemand schafft die Treppe, geht sie aber seit dem Sturz im Frühjahr nicht mehr. Erst beides zusammen ergibt eine brauchbare Planung.

Leitfrage (sinngemäß)

Inwieweit ist die pflegebedürftige Person in der Lage, sich fortzubewegen und ihre Körperposition zu verändern?

Formulierungsbeispiele für Themenfeld 2 der SIS beschreiben, wie sich die Person im Bett dreht, aufsteht, in der Wohnung geht und die Wohnung verlässt – mit Hilfsmittel, Tageszeit und den Umständen vergangener Stürze. „Sturzgefahr, Rollator vorhanden" nennt ein Risiko, aber nicht, wo und wann es entsteht.

Was in dieses Themenfeld gehört

Was regelmäßig vergessen wird

Sturzangst als eigenes Thema

Angst vor dem Fallen führt zu Bewegungsvermeidung, Bewegungsvermeidung zu Kraftverlust, Kraftverlust zu echtem Sturzrisiko. Wer nur die körperliche Fähigkeit beschreibt, übersieht den Kreislauf, der die Verschlechterung antreibt – und verpasst den wirksamsten Ansatzpunkt.

Die Umgebung

In der ambulanten Pflege ist die Wohnung Teil des Befundes. Hochflorteppich im Flur, Türschwellen, fehlendes Licht auf dem Weg zur Toilette, Wäschekorb im Gang: Das sind keine Nebensächlichkeiten, sondern die häufigsten Sturzursachen. Auch das Schuhwerk gehört dazu.

Tagesform und Zeitpunkt

Nachts zur Toilette ist etwas völlig anderes als vormittags durch das Wohnzimmer. Wenn die SIS nur den Vormittag beschreibt, plant der Maßnahmenplan an der gefährlichsten Zeit vorbei.

Was die Person selbst noch macht

Steht sie selbstständig auf, wenn niemand da ist? Diese Frage entscheidet über die halbe Planung – und wird selten gestellt.

Formulierungsbeispiele

Gehen mit Rollator und Sturz

Zu dünnSturzgefahr, Rollator vorhanden. TragfähigFrau S. steht vom Bett selbstständig auf und geht in der Wohnung am Rollator sicher. Beim Aufstehen aus dem tiefen Sessel im Wohnzimmer benötigt sie Anschub und stützt sich an der Sessellehne ab, die dabei nachgibt. Nachts geht sie ohne Rollator zur Toilette, weil dieser im Flur zu laut sei; der Weg ist unbeleuchtet und führt über einen losen Läufer. Letzter Sturz vor vier Wochen nachts im Flur, ohne Verletzung. Frau S. hat den Sturz zunächst nicht erwähnt, „weil ja nichts passiert ist".

Wohnung verlassen und Sturzangst

Zu dünnGeht kaum noch raus. TragfähigHerr B. bewältigt die vier Stufen zur Haustür mit Festhalten am Geländer und einer Pause, körperlich also weiterhin. Er verlässt die Wohnung dennoch seit etwa drei Monaten nicht mehr allein und begründet dies damit, dass er sich draußen unsicher fühle und niemanden zum Festhalten habe. Zum Arzt fährt ihn sein Neffe. Er äußert den Wunsch, wieder zum Kiosk an der Ecke gehen zu können.

Positionswechsel im Bett

Zu dünnBettlägerig, wird gelagert. TragfähigHerr T. verbringt den Tag überwiegend im Pflegebett. Er dreht sich mit Unterstützung einer Person auf die Seite und hält die Seitenlage etwa 20 Minuten, danach rutscht er zurück in Rückenlage. Ein Aufsetzen an die Bettkante gelingt mit Anleitung und Unterstützung von zwei Personen; er hält die Sitzposition dann rund fünf Minuten, gestützt. Angehörige berichten, dass er nachmittags belastbarer ist als morgens.

Transfer

Zu dünnTransfer mit einer Pflegekraft. TragfähigFrau M. steht vom erhöhten Toilettensitz mit Festhalten am Haltegriff und verbaler Anleitung selbstständig auf; die Drehung zum Rollstuhl gelingt in kleinen Schritten mit Sicherung durch eine Person am Beckengurt. Vom normalen Stuhl ohne Armlehnen kommt sie nicht allein hoch. Beim Transfer am Nachmittag benötigt sie erkennbar mehr Zeit und mehr Aufforderungen als morgens. Sie sagt an, wann sie bereit ist – wird sie gedrängt, verkrampft sie und der Transfer misslingt.

Gangbild und Standsicherheit

Zu dünnGangbild unsicher. TragfähigHerr K. geht in der Wohnung frei, mit kleinen, schlurfenden Schritten und leicht vornübergebeugt. Nach etwa 20 Metern macht er eine Pause und stützt sich dabei an der Wand oder an Möbeln ab. Richtungswechsel gelingen langsam und in mehreren Einzelschritten; beim Umdrehen im Bad schwankt er sichtbar. Er trägt tagsüber offene Pantoffeln ohne Fersenhalt, festes Schuhwerk lehnt er in der Wohnung ab – „das habe ich noch nie gemacht".

Schwindel beim Aufstehen

Zu dünnKlagt über Schwindel. TragfähigFrau U. beschreibt Schwindel beim Aufstehen aus dem Liegen, „als ob alles kippt", der nach ihrer Angabe etwa eine halbe Minute anhält. Beobachtet wurde, dass sie morgens direkt vom Liegen zum Stehen kommt, ohne an der Bettkante zu sitzen. Zweimal in den letzten Wochen musste sie sich nach dem Aufstehen sofort wieder setzen. Tagsüber im Sitzen und beim langsamen Gehen tritt der Schwindel nicht auf. Die Hausärztin ist informiert, eine Blutdruckkontrolle im Liegen und Stehen ist veranlasst.

Vom Themenfeld in den Maßnahmenplan

Wie der Weg von der SIS zur Planung grundsätzlich funktioniert, zeigt der Ratgeber zum Maßnahmenplan.

Aus der Beschreibung zu Frau S. folgt zum Beispiel:

Verbindung zur Risikomatrix

Hier hängt das Feld Sturz unmittelbar dran. Wenn Sie in der Matrix Sturz ankreuzen, muss dieses Themenfeld die Begründung liefern – und der Maßnahmenplan die Konsequenz. Der umgekehrte Fall ist genauso auffällig: eine ausführliche Beschreibung von Gangunsicherheit und Sturzereignissen, aber in der Matrix kein Kreuz.

Auch Dekubitus hat hier seine Wurzel: Wer die Position nicht selbst verändern kann, ist gefährdet. Die Angabe, wie lange eine Position gehalten wird und was danach passiert, ist dafür die entscheidende Information.

Wie die Matrix insgesamt funktioniert, zeigt der Ratgeber zur Risikomatrix in der SIS.

Häufige Fragen zu Themenfeld 2

Was gehört in Themenfeld 2 der SIS?

Positionswechsel im Bett, Transfer vom Bett in den Stuhl, auf die Toilette oder ins Auto, Fortbewegung in der Wohnung, Treppen und das Verlassen der Wohnung, Hilfsmittel und ob sie tatsächlich genutzt werden, Gangbild und Standsicherheit sowie vergangene Stürze mit Umständen, Folgen und Sturzangst.

Wie formuliert man Themenfeld 2 tragfähig?

Mit der konkreten Situation: welcher Sessel, welcher Weg, welche Tageszeit. „Geht am Rollator sicher, nachts aber ohne Rollator zur Toilette über einen losen Läufer" macht sichtbar, wo das Risiko entsteht. Dazu gehört, was die Person selbst noch macht – etwa ob sie allein aufsteht, wenn niemand da ist.

Was wird in Themenfeld 2 am häufigsten vergessen?

Die Sturzangst als eigenes Thema, weil sie über Bewegungsvermeidung und Kraftverlust erst das echte Sturzrisiko erzeugt; die Wohnung mit Teppichen, Schwellen, Licht und Schuhwerk; und der Unterschied zwischen dem Vormittag im Wohnzimmer und dem nächtlichen Weg zur Toilette.

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Wie Mobilität, Transfer und Sturzrisiko konsistent in die Planung wandern: Kriterien für SIS-Software.

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Quellen: EinSTEP – Schulungsunterlagen zum Strukturmodell · Medizinischer Dienst Bund – Hinweise zur Umsetzung des Strukturmodells (PDF)

Die Formulierungsbeispiele auf dieser Seite sind Anregungen für die eigene Formulierung. Alle Namen und Angaben sind frei erfunden. Sie ersetzen keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall: Was in der SIS steht, verantwortet die Pflegefachkraft des Pflegedienstes. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr.