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Ratgeber Pflegedokumentation

SIS bei Menschen mit Demenz: Feld B, Grundbotschaft und Themenfeld 1

Von Jonas Jahrke · Stand: 11. Oktober 2026

Die SIS® beginnt mit der Frage, was die Person bewegt. Was aber, wenn ein Mensch mit Demenz diese Frage kaum noch beantworten kann? Gerade dann ist die Informationssammlung besonders wichtig, denn Mitarbeitende im Einsatz müssen wissen, wie sie die Person erreichen. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Feld B, Themenfeld 1, die Grundbotschaft und den Maßnahmenplan bei Demenz fachlich sauber füllen.

Das Wichtigste in Kürze

Feld B bleibt die Stimme der Person: erst ihre eigenen Worte, auch wenn es wenige sind, dann gekennzeichnet die Sicht der Angehörigen. Themenfeld 1 beschreibt konkret, was die Person versteht, erkennt und entscheiden kann, statt sie als „dement“ zu etikettieren. Je stärker die kognitive Einschränkung, desto wichtiger wird laut EinSTEP die Grundbotschaft vor dem Maßnahmenplan.

Die Haltung dahinter: Person statt Diagnose

Das Strukturmodell folgt dem Gedanken der Person-zentrierten Pflege. Die EinSTEP-Schulungsunterlagen 3.1 führen ihn auf die Arbeiten von Tom Kitwood zur Pflege von Menschen mit Demenz zurück. Im Kern geht es darum, nicht die Krankheit in den Mittelpunkt zu stellen, sondern den Menschen. Der Expertenstandard „Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz“ des DNQP formuliert als Ziel, dass Betroffene das Gefühl erhalten, „gehört, verstanden und angenommen zu werden“ (DNQP 2019, zitiert nach EinSTEP 3.1).

Für die SIS® heißt das: Die Dokumentation beschreibt, was dieser Mensch noch kann, was ihm wichtig ist und wie man ihn erreicht. Eine Diagnose allein beantwortet keine dieser Fragen.

Feld B, wenn die Person sich kaum äußern kann

Feld B hält die Sicht der pflegebedürftigen Person im Originalton fest. Bei Demenz gehen Sie in drei Schritten vor:

  1. Erst die Person selbst. Auch kurze Sätze, Wiederholungen oder scheinbar unpassende Antworten sind Aussagen. Schreiben Sie sie wörtlich auf. Die Deutung gehört nicht in Feld B, sondern in die Themenfelder.
  2. Dann stellvertretend. Bei stark kognitiv beeinträchtigten Personen kann das Gespräch laut den SIS®-Erläuterungen ambulant auch mit Angehörigen oder der rechtlichen Betreuung geführt werden. Das wird vermerkt. Auch die Maßstäbe und Grundsätze ambulant sehen vor, An- und Zugehörige oder Bevollmächtigte hinzuzuziehen, wenn die Person keine Aussagen treffen kann.
  3. Indirekt fragen. Die Schulungsunterlagen schlagen für Angehörige Fragen vor wie: Was war Ihrer Mutter beim Essen, beim Zubettgehen oder bei der Kleidung besonders wichtig? Woran erkennen wir, dass sie zufrieden oder traurig ist?

Wichtig ist die Kennzeichnung: Wer hat was gesagt? So bleibt erkennbar, welche Aussage von der Person stammt und welche die Sicht der Tochter wiedergibt.

Feld B · zu dünnKlientin kann sich aufgrund Demenz nicht äußern.TragfähigFrau K. sagt beim Gespräch mehrmals: „Ich mach das schon alleine.“ Laut Sohn (Gespräch am 02.10.): „Meiner Mutter war ihr Aussehen immer wichtig, sie ging nie ohne Lippenstift aus dem Haus. Wenn sie unruhig wird, hilft es, mit ihr in die Küche zu gehen.“

Die Schulungsunterlagen betonen außerdem: Die Pflegefachperson soll dafür sorgen, dass die pflegebedürftige Person auch im Beisein von Angehörigen genug Raum für ihre eigene Sicht bekommt.

Themenfeld 1: konkret statt Etikett

Die verbindliche Leitfrage fragt, inwieweit die Person in der Lage ist, sich zeitlich, persönlich und örtlich zu orientieren, zu interagieren und Risiken und Gefahren zu erkennen, auch unter Beachtung von herausforderndem Verhalten. Die Leitgedanken nennen dazu unter anderem Hör- und Sehvermögen, nächtliche Unruhe, Umherwandern, abwehrendes Verhalten und Schwankungen der Tagesform. Sie nennen auch die Ressourcen: den verbliebenen Handlungsspielraum, eigene Vorstellungen und Gewohnheiten.

Auch der Prüfdienst schaut genau hierauf. Nach der QPR ambulant (Qualitätsaspekt 2.2) wird beurteilt, ob die Fähigkeiten zur zeitlichen, örtlichen und situativen Orientierung individuell beschrieben sind und ob eingeschätzt wurde, ob die Person andere erkennt und sich an Sachverhalte erinnert.

TF 1 · zu dünnDesorientiert, dement.TragfähigErkennt Sohn und Nachbarin sicher, Mitarbeitende des Dienstes nach kurzer Vorstellung. Weiß nicht, welcher Tag ist, findet sich in der Wohnung zurecht. Versteht kurze Sätze mit einer Aufforderung. Bei mehreren Schritten hintereinander bricht sie ab.
TF 1 · zu dünnAggressiv bei der Pflege.TragfähigWehrt beim Waschen des Oberkörpers die Hände ab, wenn sie von hinten angesprochen wird. Lässt sich helfen, wenn man ihr vorher zeigt, was als Nächstes kommt. Nachmittags unruhiger als morgens.
TF 1 · zu dünnKann keine Entscheidungen treffen.TragfähigWählt zwischen zwei gezeigten Kleidungsstücken zuverlässig aus. Offene Fragen wie „Was möchten Sie anziehen?“ überfordern sie. Erkennt den heißen Herd nicht mehr sicher als Gefahr, der Sohn hat eine Herdsicherung einbauen lassen.

Die tragfähigen Fassungen haben etwas gemeinsam: Sie beschreiben eine Beobachtung, eine Bedingung und eine Ressource. Daraus lässt sich direkt eine Maßnahme ableiten.

Demenz zeigt sich in allen Themenfeldern

Die Schulungsunterlagen halten fest: Liegen Beeinträchtigungen der kognitiven oder kommunikativen Fähigkeiten vor, kann von Einbußen der Selbständigkeit in fast allen Lebensbereichen ausgegangen werden. Themenfeld 1 steht deshalb nicht allein:

Die Leitgedanken empfehlen ausdrücklich, Verbindungen zu anderen Themenfeldern zu prüfen und bei Bedarf einen Hinweis einzufügen.

Die Grundbotschaft wird wichtiger

Die Grundbotschaft steht vor dem Maßnahmenplan und sagt allen Beteiligten kurz, was im Umgang mit der Person wichtig ist. Sie ist optional, aber die Schulungsunterlagen sind bei Demenz deutlich: Je stärker die kognitiven Einschränkungen, desto wichtiger ist es, dem Plan eine Grundbotschaft voranzustellen. Sie soll möglichst im Team entstehen, wertneutral formuliert sein und darf Aussagen der Person wörtlich aufnehmen. Hinweise zur direkten Pflege gehören nicht hinein.

Grundbotschaft · ungeeignetKlientin ist dement und verweigert oft die Pflege.TragfähigFrau K. war ihr Leben lang Schneiderin und legt großen Wert auf ihr Äußeres. Sie fühlt sich sicher, wenn man sich mit Namen vorstellt und ihr zeigt, was als Nächstes kommt. Sie sagt oft: „Ich mach das schon alleine.“

Wie Sie Grundbotschaften Schritt für Schritt schreiben, erklärt der Ratgeber Grundbotschaft im Maßnahmenplan.

Der Maßnahmenplan bei Demenz

Die EinSTEP-Handreichung zum Maßnahmenplan (2024) sagt: Bei Menschen, die sich selbst äußern können, genügen weniger differenzierte Beschreibungen als bei kognitiv schwer beeinträchtigten Personen. Bei Demenz darf der Plan also ausführlicher sein. Er beschreibt, was im Einsatz konkret hilft. Die Handreichung gibt dafür selbst ein Beispiel: Beim Duschen einer kognitiv eingeschränkten Bewohnerin wirkt Summen von Heimatliedern beruhigend. Genau solche Hinweise gehören in den Plan.

Weitere Punkte, auf die Prüfdienst und Handreichung achten:

Typische Fehler

Häufige Fragen

Wer füllt Feld B aus, wenn die Person mit Demenz sich nicht äußern kann?

Die Pflegefachkraft. Sie hält zuerst fest, was die Person selbst sagt, auch wenn es wenig ist. Bei starker kognitiver Beeinträchtigung kann das Gespräch stellvertretend mit Angehörigen oder der rechtlichen Betreuung geführt werden. Das wird vermerkt und die Aussagen werden der jeweiligen Person zugeordnet.

Ist die Grundbotschaft bei Demenz Pflicht?

Nein, sie ist eine Empfehlung. Die EinSTEP-Schulungsunterlagen 3.1 sagen aber: Je stärker die kognitiven Einschränkungen, desto wichtiger ist eine Grundbotschaft vor dem Maßnahmenplan.

Darf der Maßnahmenplan bei Demenz ausführlicher sein?

Ja. Laut EinSTEP-Handreichung zum Maßnahmenplan brauchen kognitiv schwer beeinträchtigte Personen differenziertere Beschreibungen als Menschen, die sich selbst äußern können. Routinen bleiben trotzdem in den Verfahrensanleitungen.

Wohin gehört herausforderndes Verhalten in der SIS?

In Themenfeld 1, das nach seiner Leitfrage auch herausforderndes Verhalten umfasst. Beschreiben Sie, was genau passiert, in welcher Situation und was hilft. Betrifft das Verhalten die Fortbewegung, etwa nächtliches Umherlaufen, gehört ein Hinweis auch in Themenfeld 2.

Vertiefung

Feld B im Originalton, ohne Umweg

In Dokuna schreibt die Pflegefachkraft Feld B frei im Originalton der Person. Die Grundbotschaft ist ein eigenes Feld, das nur die Fachkraft füllt. Bei deutlicher kognitiver Einschränkung und leerer Grundbotschaft erscheint ein Hinweis. Die Klientendaten bleiben im Speicherort Ihres Pflegedienstes.

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Lieber direkt sehen, wie das aussieht? Vorführung anfragen.

Quellen: Projektbüro EinSTEP: Informations- und Schulungsunterlagen 3.1, Februar 2026, mit Anlage 1a SIS®-Erläuterungen ambulant · Projektbüro EinSTEP: Handreichung zum Maßnahmenplan, Dezember 2024 · Medizinischer Dienst Bund: QPR ambulante Pflege Teil 1a, Qualitätsaspekt 2.2 (PDF) · Maßstäbe und Grundsätze ambulant vom 28. April 2025 (PDF) · DNQP: Expertenstandard Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz, 2019

Dieser Ratgeber gibt die genannten Quellen nach bestem Wissen in eigenen Worten wieder. Maßgeblich sind die Originaltexte und die Vorgaben Ihres Qualitätsmanagements. Er ersetzt keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall. SIS® ist eine eingetragene Marke der Bundesrepublik Deutschland. Angaben ohne Gewähr.