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Ratgeber Pflegedokumentation

Evaluation: Wann die Planung auf den Prüfstand gehört

Von Jonas Jahrke · Stand: 17. August 2026

Die Evaluation ist das vierte Element des Strukturmodells – und das am häufigsten vernachlässigte. Dabei entscheidet sie darüber, ob die Dokumentation lebt oder veraltet: Eine SIS von vor zwei Jahren, die zur heutigen Situation nicht mehr passt, ist schlimmer als eine lückenhafte.

Das Prinzip

Evaluiert wird anlassbezogen und zu individuell festgelegten Zeitpunkten – nicht nach einer starren Frist für alle. Der Rhythmus richtet sich nach der Situation der Person und den Vorgaben Ihres Qualitätsmanagements.

Zwei Sorten von Evaluationsanlässen

Geplante Anlässe

Bei der Erstellung des Maßnahmenplans wird festgelegt, wann welche Maßnahme überprüft wird. Sinnvoll ist ein Datum mit Begründung: „Trinkprotokoll auswerten am 24.08." oder „Wirkung der neuen Lagerungsintervalle nach zwei Wochen bewerten". Ein pauschales „Evaluation in 6 Monaten" über alles ist zulässig, verschenkt aber den Sinn des Instruments.

Ereignisbezogene Anlässe

Bestimmte Ereignisse lösen die Überprüfung sofort aus, unabhängig vom geplanten Termin: Sturz, Krankenhausaufenthalt, neue Diagnose oder geänderte Medikation, deutliche Veränderung von Zustand oder Verhalten, Veränderung im Umfeld – etwa wenn die pflegende Angehörige ausfällt. Wer solche Ereignisse im Berichteblatt dokumentiert, ohne dass die Planung reagiert, produziert genau die Lücke, die im Fachgespräch auffällt.

Was bei der Evaluation konkret passiert

  1. Abgleich: Stimmt die Beschreibung in der SIS noch? Wirken die Maßnahmen – erreicht die Versorgung, was sie erreichen sollte?
  2. Entscheidung: Weiter wie geplant, Maßnahme anpassen, Maßnahme beenden – oder bei größeren Veränderungen die SIS fortschreiben.
  3. Dokumentation: Ergebnis und Datum festhalten, neue Evaluationsanlässe setzen. Eine Evaluation ohne dokumentiertes Ergebnis hat nicht stattgefunden.

Beispiel

Formal, aber leerEvaluation durchgeführt, Planung bleibt bestehen. TragfähigTrinkprotokoll 18.–24.08. ausgewertet: durchschnittlich 1.100 ml täglich (Ziel: mindestens 1.300 ml). Das Bereitstellen in Reichweite wird beibehalten; zusätzlich wird abends ein Glas Saftschorle angeboten, da Herr G. Wasser ablehnt. Nächste Auswertung am 07.09. Zahnarzttermin wegen der Prothese ist am 28.08. – danach Essverhalten neu bewerten.

Die drei häufigsten Fehler

1. Evaluation ohne Konsequenz

„Bleibt bestehen" als Dauerantwort, auch wenn das Berichteblatt längst etwas anderes erzählt. Der Abgleich mit den Berichteblatt-Einträgen seit der letzten Evaluation ist der Kern des Vorgangs – nicht das Abhaken des Termins.

2. Starre Fristen für alles

Wer jede Planung im selben Rhythmus evaluiert, evaluiert die stabile Situation zu oft und die instabile zu selten. Das Strukturmodell erlaubt ausdrücklich individuelle Zeitpunkte – nutzen Sie das.

3. Evaluation als Neuanfang

Es muss nicht bei jedem Termin die komplette SIS neu geschrieben werden. Fortgeschrieben wird, was sich geändert hat; was trägt, bleibt stehen. Erst bei grundlegenden Veränderungen ist eine neue SIS sinnvoll.

Häufige Fragen

Gibt es eine vorgeschriebene Evaluationsfrist?

Das Strukturmodell setzt auf individuell festgelegte Daten und Anlässe statt einer Einheitsfrist. Daneben gelten die Vorgaben Ihres Qualitätsmanagements und vertragliche Regelungen – die Fachlichkeit begründet den Rhythmus, nicht der Kalender allein.

Wer evaluiert?

Die Pflegefachkraft – auf Grundlage der eigenen Beobachtung, der Berichteblatt-Einträge und der Rückmeldungen von Team, Person und Angehörigen.

Konsistenz über alle vier Elemente

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Die Beispiele auf dieser Seite sind frei erfunden und dienen der Anschauung. Sie ersetzen keine pflegefachliche Einschätzung im Einzelfall und keine Vorgaben Ihres Qualitätsmanagements. Angaben nach bestem Wissen, ohne Gewähr.